DUIY?

„DU it yourself!“ ist keine geschlossene Gruppe, sondern ein offener Kreis von Leuten, die in unserer Stadt [Duisburg] aktiv werden, um hier Veränderungen herbeizuführen und Räume für Kunst, Kultur und Politik zu schaffen. [mehr]

Nicht wundern…

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Erfahrungsbericht: 34. Duisburger Akzente – Duisburg und das Mittelmaß.

Ich hab mir mittlerweile auch mal die Akzente angeschaut. Und zwar das volle Programm. Erst durch die Kunstausstellungen, dann in das ‘Goldengrüne Lehrerzimmer’, später auf ein Konzert und einen Tag darauf ins Theater. Man kann also sagen, ich habe die Möglichkeiten dieses Duisburger Kulturhighlights voll ausgeschöpft. Und mein Resümee? So lala.

Ich fang mal von vorne an: Die diesjährigen Akzente stehen unter dem Motto ‘500 Jahre Mercator – Vom Suchen und Finden’. Wegen Gerhard Mercator und so, dem Duisburger, der neben Kai Magnus Sting und Josef Krings auch nach 500 Jahren noch für jedes Großereignis aus der Persönlichkeiten-Schachtel gezogen wird, in der Hoffnung, irgendjemand könnte Duisburg danach wieder ernst nehmen. Wobei Josef Krings mittlerweile sogar für das Marketing Duisburger Biosupermärkte herangezogen wird, aber das tut nichts zur Sache.

Der Großteil des Programms findet im Mercator-Quartier statt. Das heißt so, weil der Dings da mal gewohnt hat. Aber nicht in der Schule die dort jetzt wiederbelebt wurde, sondern in ‘nem Häuschen, was wohl vorher da mal gestanden hat. Achso, und eigentlich ist das aber garnicht das Mercator-Quartier. Das soll dort erst noch entstehen, zur “weiteren Revitalisierung der Duisburger Innenstadt”. Bis dahin muss man sich aber mit dem begnügen, was da ist und das ist ‘ne rotzige 60er Jahre Berufsschule. Und da fängt’s schon an, mich zu stören. Die wiedereröffnen eine Schule, für alle Duisburger offen, veranstalten Konzerte, Theater, Lesungen, Podiumsdiskussionen und Kunstausstellungen? Sagmal hackt’s? Habt Ihr Lack gesoffen bei der Duisburg Marketing GmbH? Ich erinnere mich da an eine gewisse Aktion einer gewissen Gruppe, die zumindest in Ansätzen Ähnlichkeit mit dem diesjährigen Akzente-Konzept hatte. Und während unsere Schule damals von Grün uniformierten Ninjas gestürmt wurde, wird diese Schule von der Jack Wolfskin-tragenden Duisburger Kulturelite gestürmt? Irgendwas läuft falsch! Ich hoffe nur, Uwe Rohde hat sein Telefon noch immer auf Stumm gestellt um das nicht miterleben zu müssen.

Aber da Herr Rohde immernoch nicht zur Stelle war, um die eklatanten Sicherheitsbedenken im Zusammenhang mit dem Festival zu klären, müssen wir wohl damit leben, dass die Stadt darf, was ihre Bürger noch lange nicht dürfen.
Nun gut, das erste was ich gemacht habe, nachdem ich den Eingang gefunden hatte, war, mich wundern. Da hatten wir nach zwei Stunden in unserer Schule in Laar mehr gerissen als die. Ich halte die Werthstraße gerne als gutes Beispiel hoch. Mit ein bisschen Elan hätte man aus so einer leerstehenden Schule ja wirklich einiges machen können. Oder zumindest Wegweiser aufstellen. Die Pissoirs wurden erneuert, das ist mir aufgefallen. Diese neumodischen wasserlosen Pinkelbecken waren dort während des Schulbetriebs auf keinen Fall zu finden. Sowas kenne ich nur von Autobahnraststätten und Düsseldorfer Kneipen.

Im Eingangsbereich stand eine Theke, dahinter zwei nette Menschen, die Tickets und lustige T-Shirts verkaufen und Flyer verschenken. Dazu ein Portier, der einem die Tür aufhält, man hat’s ja. Ich bin dabei noch billig davon gekommen. Der Vorteilspreis für 6€ pro Veranstaltung wird natürlich nur denjenigen gewährt, die entweder im Besitz der Stadtwerke Partnercard oder einer EC-Karte der Sparkasse Duisburg sind. Kein Studentenrabatt, kein Schülerrabatt, kein Rentnerabatt, kein Arbeitslosenrabatt, undsoweiter. Das Signal ist klar. Duisburger sind gerne gesehen, der Rest auch, aber eben zum vollen Eintrittspreis. Ob das für die Stadt nun ein Schritt in die falsche oder in garkeine Richtung ist, vermag ich nicht zu sagen, aber da ich sowohl ein Konto bei der Duisburger Sparkasse habe, als auch eine Stadtwerke Partnercard, kann mir das ja auch herzlich egal sein, nicht wahr?

Im offiziellen Programmheftchen hatte ich von den verschiedenen Kunstausstellungen gelesen. Nach etwas aussortieren (alles was im Kultur- und Stadthistorischen Museum vor sich geht, ist für mich ein No-Go, seitdem ich während meiner Schulzeit dazu gezwungen wurde, mir eine Kant-Ausstellung dort anzuschauen) blieben, äh, zwei relevante Ausstellungen. ‘Hold the Line’ von Becker Schmitz zähle ich dabei nicht, denn auch wenn die Ausstellung im Programmheft Erwähnung findet, erschliesst sich mir der Zusammenhang zu den Akzenten nicht wirklich.
Was bleibt, ist die Umgestaltung der Schulfenster durch Leo Namislow (sieht man so im vorbeigehen, ist aber schön) und die Ausstellung “Gerhard was here” von verschiedenen Duisburger (?) Künstlern zum Thema Gerhard Mercator.
Nach einigem Herumirren und einem kurzen Abstecher ins goldengrüne Lehrerzimmer (Köpi, 2,50€ + 1€ Pfand) hatte ich dann “Gerhard was here” gefunden. Nunja, die Ausstellung ist wohl das Ergebnis, wenn man “über 30 Künstler” dazu zwingt sich mit einem 500 Jahre alten Sack auseinanderzusetzen. Zerschnittene Globen, Landkarten, die mit Mandarinenschalen zusammen und dann an eine Wand geklebt werden. Oder eine Flasche Mercator-Wasser (wer trinkt es nicht gerne) vor einem Foto der ehemaligen Mercatorhalle. Ganz wundervoll.

Am spannendsten an dieser Tour waren eigentlich die Mittfünfziger, die sich seufzend vor ein Ausstellungsstück stellten und denen man die Anstrengung, intellektuell dreinzuschauen geradezu ansah. Schnell auf eine Zigarette vor die Tür. An der Tür sagt mir ein Security dann, ich dürfte meine Bierflasche nicht mit nach draussen nehmen, sei ja schliesslich Pfand drauf. Also, Bier geext und die Flasche in die Ecke gestellt, in der Hoffnung, mir würde niemand meinen Pfand streitig machen. Vor der Tür dann ein Mitarbeiter des Autohaus Lackas, der mir ein Glas Sekt schenken und ein Auto verkaufen möchte. Darf ich das Glas denn mit rein nehmen? Ne? Dann nicht, danke.
Also wieder rein und ab zu dem Konzert für dass ich immerhin 6€ bezahlt habe (sowas hätte es in Laar nicht gegeben). Wo ist denn die Aula? Zweiter Stock, durchs Lehrerzimmer und dann die Treppe hoch bis nichts mehr geht . Aufzüge gibt’s nicht. Gab’s in Laar auch nicht, aber wir haben auch bewusst ein Haus mit nur drei Stockwerken genommen.

Oben angekommen, super, Konzert hat schon angefangen, zum Glück hat’s mich auch nicht so richtig interessiert. Und dann stehe ich da, senke den Altersdurchschnitt mal eben um 15 Jahre, dabei ist die Band schon fast Punk. Zumindest die Abmischung ist Punk. Viel Schlagzeug, wenig Gesang, viel Höhen, wenig Bass. Ein Genuss, den ich selbst von Punkkonzerten so nicht kenne. Nachdem mich mein ehemaliger Politiklehrer begrüßt hat und ich mein letztes Geld für Köpi zum Literpreis von 7,50€ + Pfand auf den Kopf gehauen hab, mache ich mich dann langsam zum Rückzug auf. Nützt ja alles nichts, besser wird’s nicht.

Mein Resümee: 11,50€ (das Pfandflaschenklauen mit einberechnet) für einen trostlosen Abend in einer bestuhlten Aula, zwischen Duisburger Künstlern und Duisburger Beamten.

Ein Hoch auf die Hochkultur!

4 comments to Erfahrungsbericht: 34. Duisburger Akzente – Duisburg und das Mittelmaß.

  • Erfahrungsbericht: 34. Duisburger Akzente…

    Ein Hoch auf die Hochkultur!Duisburg und das Mittelmaß>>> Ich hab mir mittlerweile auch mal die Akzente angeschaut. Und zwar das volle Programm. Erst durch die Kunstausstellungen, dann in das ‘Goldengrüne Lehrerzimmer’, später auf ein Konzert …

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  • Duisburger

    So viel Fehlinformation und Weltverdrossenheit gab es selten zu lesen. Genauso einseitig und voreingenommen liest sich auch ein rechtes Propagandaheftchen.

    Tolle Leistung.

  • Hochfelder

    Werter Duisburger,

    auch ich sehe die Kritik nicht sehr sachlich formuliert, aber Ihr Kommentar übersteigt die Grenze zur platten Polemik.
    Das nennt man keinen kritischen Kommentar mehr, sondern eine Beleidigung.

  • Ruhrorter

    Die Beobachtungen sind halt bewusst und auch betont subjektiv formuliert. Ob man das selbst genauso empfindet, ist ja jedem selbst überlassen. Ich wüsste aber nicht von irgendwelchen falschen Informationen in dem Text.

    Ein rechtes Propagandaheftchen würde da zu anderen methoden greifen.

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